DGS Sonderheft Tiergesundheit

Es nicht auf den Ernstfall ankommen lassen

Ställe werden immer größer. Fällt in einem geschlossenen Stall die Heizung oder die Lüftung aus, kann es zu Leiden bei den Tieren, sogar zu massiven Abgängen kommen. Mittels einer Notstromanlage lassen sich solche Situationen entschärfen.

Blick in den Stall. Auf der linken Seite hängt die Heizkanone. Fotos: Götz 
Blick in den Stall. Auf der linken Seite hängt die Heizkanone. Fotos: Götz 
Je mehr Tiere im Stall gehalten werden, desto wichtiger ist es, dass die Lüftung funktioniert. Der Schweizer Landwirt Matthias Hausammann in Unterstammheim hält 16 000 Masthühner und stellt mit einer zapfwellengetriebenen Notstromanlage sicher, dass Heizung und Ventilatoren auch bei Stromausfall funktionieren.

TIERE KÖNNEN AN HITZESTRESS STERBEN Besonders gefährlich ist ein Stromausfall an heißen Sommertagen, berichtet Hausammann. Denn ohne Lüftung steigen im Stall schnell Stalltemperatur und Schadgaskonzentration an. Es kommt zu Hitzestress und Sauerstoffmangel. Insbesondere für Tiere im letzten Mastabschnitt bedeutet Hitze eine große Kreislaufbelastung, die zum Tod führen kann. Für Eintagsküken dagegen kann der Ausfall der Heizung gefährlich werden, da sie in den ersten Lebenstagen, wenn das Federkleid noch nicht ausgebildet ist, ein großes Wärmebedürfnis haben; die Stalltemperatur sollte um die 35 °C betragen. Der Landwirt heizt mit Heizkanonen mit Rauchgasabführung. Das sind im Stall aufgehängte Heizzylinder, die Gas verbrennen und einen sehr hohen Wirkungsgrad haben. Ein strombetriebener Ventilator verteilt die warme Luft im Stall. Ein paar Stunden Stromausfall im Winter mögen die Tiere ertragen, aber bei längeren Stromausfällen wird es für die Tiere kritisch.
      
VORBEUGEN IST PFLICHT

Paragraph 4, Absatz 7 der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) verpflichtet den Tierhalter, für eine ausreichende Versorgung der Tiere mit Frischluft, Licht, Futter und Wasser für den Fall einer Betriebsstörung zu treffen. Wie wichtig diese Forderung ist, zeigt das Beispiel eines großen Schweinemastbetriebes im Münsterland. Dort sind Mitte Januar dieses Jahres 900 Schweine erstickt, weil der Strom abgestellt wurde. Batterie- oder elektromagnetisch betriebene Lüftungsklappen können je nach Situation kurzfristig Schlimmstes verhindern. Sicherer ist jedoch ein Notstromaggregat, das auch den Betrieb der Ventilatoren gewährleistet.
               
Der 30 kW Zapfwellengenerator wird an den Schlepper angehängt.
Der 30 kW Zapfwellengenerator wird an den Schlepper angehängt.
Matthias Hausammann macht einmal im Jahr einen Probelauf mit seinem Generator.
Matthias Hausammann macht einmal im Jahr einen Probelauf mit seinem Generator.
ZAPFWELLENGENERATOR LIEFERT STROM Dass gerade zu den kritischen Zeiten ein längerer Stromausfall eintritt, dürfte selten vorkommen. Doch wenn er eintritt, dann leiden die Tiere darunter und für den Tierhalter kann es zu beträchtlichen finanziellen Verlusten kommen. „Ich will es nicht auf den Ernstfall ankommen lassen“, sagt der Landwirt. Sein Zapfwellengenerator wird vom Traktor angetrieben und erbringt eine Leistung von 30 kW. Das genügt, um Heizung und Lüftung in Betrieb zu halten. Bei Stromausfall gibt es einen Alarm im Stall, der dem Landwirt via SMS auf das Handy übermittelt wird. Der Tierhalter fährt dann den Generator mittels Dreipunktaufhängung am Traktor zum Stall und verbindet ihn dort mit dem Steuerungskasten, in dem alle elektrischen Schalter und Anschlüsse integriert sind.

Hausammann wechselt die Stromstecker der Heizung und Lüftung von der Netz-Steckdose zur Generator-Steckdose. Zum Anschluss hat er nicht einmal einen Elektriker benötigt, da alles im Steuerungskasten fertig installiert war. „Man kann kaum Fehler machen“, sagt der Landwirt. Fütterung und Beleuchtung sind nicht an der Notstromanlage angeschlossen, denn der Stall verfügt über Fenster und in den Futterbehältern gibt es etwas Futter auf Vorrat. Die Wasserversorgung ist auf dem Hof auch ohne Strom gewährleistet.

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Der Steuerungskasten im Vorraum des Stalles, unten ist die Schnittstelle.
Der Steuerungskasten im Vorraum des Stalles, unten ist die Schnittstelle.
EINE TRAGBARE INVESTITION Gemäß dem Lieferanten, der Firma Bimex kostet der mobile Zapfwellengenerator, wie ihn Hausammann benutzt, neu etwa 4000 Euro. Das ist bei einer so großen Anzahl Tiere eine tragbare Investition. Ein mobiles Notstromgerät lässt sich auch für andere Zwecke verwenden, zum Beispiel zur Reparatur einer Maschine auf dem Feld, sei es, um einen Winkelschleifer oder ein Schweiß Gerät anzuschließen. Für die Landwirtschaft genügen in der Regel Zapfwellengeneratoren, sagt der Bimex-Vertreter. Es sind robuste Geräte, die wenig Wartung brauchen. Sie kommen vor allem bei Geflügel- und Schweineställen zum Einsatz, aber auch für Melkanlagen, Milch-Kühlaggregate und seit neuem auch für die Kreislaufanlagen von Fischhälterungen. Dieselbetriebene Generatoren erbringen eine größere Leistung als Zapfwellengeneratoren, aber sie kosten auch deutlich mehr. Bei Hausammann kam der Generator in den gut drei Jahren seit Bau des Stalles noch nicht zum Einsatz. „Ich denke nicht darüber nach, ob es nötig war oder nicht“, sagt er. Kommt es zu einer längeren Stromunterbrechung, ist er jedenfalls auf der sicheren Seite. Wichtig sei, dass man den Generator jedes Jahr in Betrieb setze, um sicher zu sein, dass er im Notfall funktioniere, betont er.

Dr. Michael Götz,
M. Götz Agrarjournalist GmbH, Eggersriet/Schweiz
                                              

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