DGS Sonderheft Tiergesundheit

Gesunder Darm – gesundes Huhn

Gutes Futter legt den Grundstein für Gesundheit. Damit alles „klappt“, muss der Tierhalter seine Tiere ständig gut beobachten. Fütterungsexperte Robert Pottgüter von Lohmann Tierzucht gibt Tipps.

Robert Pottgüter ist Fütterungsexperte bei Lohmann Tierzucht. Foto: Mayer
Robert Pottgüter ist Fütterungsexperte bei Lohmann Tierzucht. Foto: Mayer
DGS: DURCH „FALSCHE“ FÜTTERUNG SINKEN WOHLBEFINDEN UND LEISTUNG UND ES KANN ZU FEHLVERHALTEN KOMMEN. WORAUF MUSS MAN BESONDERS ACHTEN? 
Nach dem Motto „gesunder Darm = gesundes Huhn“ sollte bei der Auswahl und Beschaffenheit des Futters auf die Darmgesundheit geachtet werden. Das hat nicht nur gesundheitliche Aspekte: Ein Huhn mit einem gesunden Darm legt auch ein gutes Verhalten an den Tag. Wichtig für den Darm sind die richtige – unverdauliche – Rohfaser und insbesondere eine tiergerechte Futterstruktur. Was bei der Fütterung oft vergessen wird, ist die flüssige Komponente: Sauberes Wasser ist der am meisten vergessene Nährstoff!

DGS: WELCHE ROLLE SPIELT DIE ROHFASER IN DER GEFLÜGELERNÄHRUNG?
Die richtige Rohfaser ist für unser Geflügel enorm wichtig. Sie ist die Basis für eine stabile Verdauung und eine normale Kotkonsistenz. Dieses Thema interessiert auch die Wissenschaft immer mehr, nicht nur in der Legehennenfütterung, sondern auch bei Broilern. Man könnte durchaus feststellen: Die richtige „funktionelle“ Rohfaser – ein neuer Aspekt in der Geflügelfütterung.

DGS: WAS KANN DER TIERHALTER FÜR DIE DARMGESUNDHEIT SEINES GEFLÜGELS TUN?
Die Basis ist der „Einkauf“ einer tiergerechten Futterstruktur, als Grundlage für optimale Futteraufnahme und Muskelmagenaktivität. Legehennen werden in aller Regel mit Mehlfutter (mash) gefüttert, dies ist meiner Meinung nach auch der optimale Weg. Das Mehlfutter muss eine möglichst homogene Struktur aufweisen, um selektives Fressen zu verhindern. Dennoch muss es eine gewisse Griffigkeit haben. Diese Qualitätskriterien kann man durch eine Siebanalyse überprüfen lassen, z. B. bei einer LUFA oder einem Tierarzt. Im Jahrbuch Geflügelwirtschaft sind hierzu Daten veröffentlicht. Des Weiteren sollte die Struktur des Mehlfutters möglichst konstant sein. Wichtig ist der ständige Kontakt mit dem Futterlieferanten. Zum einen um durch Änderungen in der Futterzusammensetzung oder spezielle Zusätze die Herde wieder „in den Griff“ zu bekommen. Zum anderen sollte auch der Futtermittelhersteller mitteilen, wenn er die Rezeptur geändert oder seinen Rohstofflieferanten gewechselt hat, das könnte Ursache für Verhaltensänderungen sein. Ein optimales Futtermanagement (Förderung der Futteraufnahme zum Legebeginn oder unter Hitzestress, Leerfressen der Tröge, damit auch die Feinanteile aufgenommen werden, kein zu hoher Füllstand der Tröge) und gute Futter- und Fütterungshygiene im Betrieb – Silopflege einschließlich regelmäßiger Kontrolle, Wechselsilos, Reinigung von Leitungen und Futtertrögen – sind weitere Säulen für eine gute Tiergesundheit. Dann sind da noch Komponenten mit weiteren Fuktionen: Zugaben von Grit in die Einstreu fördern im Muskelmagen die Zerkleinerung der Futterbestandteile, das Angebot von Luzerneballen liefert Rohfaser und befriedigt den Picktrieb. Bei all dem muss immer auch auf eine gute Tränkwasserqualität geachtet werden.

DGS: WIE KÖNNEN GESUNDHEIT UND WOHLBEFINDEN DER TIERE DURCH ZUSATZSTOFFE BEEINFLUSST WERDEN?
Sie unterstützen die Darmgesundheit, indem sie die „gute“ Darmflora fördern und im Umkehrschluss die unerwünschte Darmflora „unter Kontrolle halten“. Dazu gibt es inzwischen viele gute Futterzusatzstoffe, die praxiserprobt und anwendbar sind.

DGS: WORAN ERKENNT DER LANDWIRT, BEI WELCHEN ASPEKTEN DER FÜTTERUNG VERÄNDERUNGEN ODER NACHBESSERUNGEN NÖTIG SIND?
Ein untrügliches Indiz sind Veränderungen des Allgemeinzustandes, der Leistung, der Futter- und Wasseraufnahme (wiegen und messen), des Federkleids, Verschmutzung der Federn und des Verhaltens der Tiere. Auch auf Veränderungen der Kotkonsistenz und der Einstreuqualität sollte der Tierhalter achten. Ganz wichtig: Wenn die Tiere die Federn aus der Einstreu fressen, das ist ein Alarmzeichen! Ständige „professionelle“ Tierbeobachtung ist die zwingende Voraussetzung für ein gutes Herdenmanagement.

DGS: IN WELCHEN PHASEN REAGIERT DIE LEGEHENNE BESONDERS EMPFINDLICH AUF FEHLER IN DER FÜTTERUNG?
Der Übergang und die Umstallung vom Aufzucht- in den Legebetrieb bedeuten Stress für das Tier. In diesem Zeitraum reagiert die Henne besonders schnell und besonders stark auf Mängel in der Fütterung. Weitere kritische Phasen sind die Zeit vom Beginn der Legephase bis zur Leistungsspitze, mindestens bis zur 30. Lebenswoche, und Phasen extremer Hitze wegen der hierdurch reduzierten Futteraufnahme.

Annette Mayer, AR Agrar-Redaktion GmbH, Stuttgart
   

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