DGS Sonderheft Tiergesundheit

Lignocellulose für optimale Fußballengesundheit

Einstreumanagement im Fokus – Verschiedene Einstreuarten im Vergleich

Trockene Einstreu von Anfang an, hier mit Hobelspänen. Foto: Mayer
Trockene Einstreu von Anfang an, hier mit Hobelspänen. Foto: Mayer
IM HALTUNGSMANAGEMENT für Geflügel spielt die Auswahl der Einstreu eine wichtige Rolle. Lockere und hygienisch einwandfreie Einstreu dient den Tieren zum Picken, Scharren und Staubbaden. Beim Vergleich verschiedener Einstreumaterialien haben sich Produkte auf Lignocellulose-Basis sowohl in Versuchen als auch in der Praxis am besten bewährt. Durch den Einsatz von Hygienepulver und Aktivkohle können Tierhalter vorhandene Einstreu zudem optimieren.

EINE GUTE EINSTREU sollte trocken und sauber sein sowie einen geringen Staubanteil besitzen. Die wichtigste Aufgabe von Einstreu für Geflügel ist die Bindung von Feuchtigkeit und damit die Reduktion von Ammoniak in der Stallluft. Gleichzeitig wird durch die Bindung von Feuchtigkeit die Vermehrung von Mikroorganismen verringert. Eine nasse Einstreu birgt immer die Gefahr der Verbreitung von Infektionskrankheiten und ist zudem der Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Fußballenentzündungen (Pododermatitis). In Verbindung mit Wasser führt Ammoniak aufgrund seiner ätzenden Wirkung zu Veränderungen an der Sohlenhaut. Eine trockene Einstreu führt zu weniger Läsionen im Fußbereich und ist damit die Grundlage für mobile und vitale Tiere. Neben dem Wasserbindevermögen der Einstreu ist auch das Wasserabgabevermögen entscheidend, damit die Feuchtigkeit über die Lüftung möglichst schnell aus dem Stall entfernt werden kann.
                             

LIGNOCELLULOSE IST WEICH UND HYGIENISCH
UND KANN VIEL WASSER BINDEN


LIGNOCELLULOSE ÜBERZEUGT nicht nur durch Trockenheit: Gerade in punkto Trockenheit überzeugt Einstreu aus Lignocellulose. Die mechanisch verarbeiteten Lignocellulosefasern stammen aus Frischholz. Eine thermische Bearbeitung im Produktionsprozess sorgt für eine sichere Hygienisierung des Produktes. Lignocellulose überzeugt mit ihrer hohen Wasserbindekapazität. Diese beruht auf einer großen Oberfläche der Partikel, die durch feinste Vermahlung erzeugt werden. Die Lignocellulose trocknet im Stall schnell ab, sodass die Einstreuoberfläche und Fußballen dauerhaft trocken bleiben und nicht verkleben. Das Material ist weich und birgt keine Verletzungsgefahr für die Fußballen. Das hohe Wasserbindevermögen reduziert die Aufwandmenge – es muss wesentlich weniger oder gar nicht nachgestreut werden.
               
Lignocellulose für optimale Fußballengesundheit Image 1
Lignocellulose für optimale Fußballengesundheit Image 2


GRAFIK 1: TROCKENMASSEGEHALT (%) VERSCHIEDENER EINSTREUMATERIALIEN BEI DER PUTE (NACH YOUSSEF ET AL., 2010).




GRAFIK 2: MITTELWERTE DER MAKROSKOPISCHEN FUSSBALLENQUALITÄT BEI PUTEN (NACH YOUSSEF ET AL., 2010)


Note 0 = keine Veränderungen, bis Note 7 = nekrotische Veränderungen an mehr als 50 % der Fußballenflächen.

Grafiken: BayWa


OPTIMALE FUSSBALLENGESUNDHEIT BEI PUTEN....
Versuchsergebnisse der Tierärztlichen Hochschule Hannover zeigen, dass der Einsatz von Lignocellulose als Einstreu bei Puten und Broilern das Auftreten und die Schwere von Fußballenentzündungen gegenüber anderen Einstreumaterialien signifikant reduzieren kann. In der Putenaufzucht blieb Lignocellulose deutlich trockener als Häckselstroh oder Sägespäne (Grafik 1). Die Unterschiede in den Trockenmassegehalten spiegelten sich auch in der Fußballenqualität wieder (Grafik 2). Das Auftreten von Fußballendermatitis war bei der Lignocellulosegruppe im Vergleich zu den anderen Einstreuarten signifikant verringert.


... UND BEI BROILERN: Die Verbesserungen der Fußballenqualität bei Broilern durch den Lignocelluloseeinsatz sind mit jenen der Pute vergleichbar, wie Ergebnisse eines Versuchs auf Haus Düsse zeigen (Tabelle auf S. 6). Im Mastversuch über 37 Tage mit der Genetik Ross 308 waren die Leistungsdaten der Gruppen auf Einstreu auf Hobelspänen oder Lignocellulose vergleichbar, Art und Ausprägung der Fußballenverletzungen konnten aber mit der Lignocellulose deutlich reduziert werden.
                           
Einstreu mit Stroh erfordert im Gegensatz zu Lignocellulose ein ständiges Nachstreuen. Foto: Mayer
Einstreu mit Stroh erfordert im Gegensatz zu Lignocellulose ein ständiges Nachstreuen. Foto: Mayer
BESSERE MOBILITÄT: Neben der Fußballenqualität haben aber auch die Beinstellung und die Lauffähigkeit der Tiere einen großen Einfluss auf die Mobilität. In einem Versuch mit weiblichen Puten hatten 23,8 % der Tiere in der 16. Lebenswoche auf der Einstreu aus Lignocellulose eine normale Beinstellung. Auf Hobelspänen war der Anteil der Tiere mit normaler Beinstellung auf lediglich 13,2 % verringert. Gleichermaßen zeigten 45,9 % der Hennen auf Lignocellulose eine normale Lauffähigkeit, während dieser Anteil bei den Tieren auf Hobelspänen auf 28,0 % reduziert war (BERK und FELDHAUS, 2008).

REDUKTION VON AMMONIAK: Lignocellulose kann auch als unterstützende Maßnahme beim Ammoniakmanagement eingesetzt werden. Gegenüber Häckselstroh kann die NH3-Konzentration in der Stallluft mit Lignocelluloseeinstreu um rund 70 % reduziert werden, wie Versuchsergebnisse der Tierärztlichen Hochschule Hannover zeigen.

ERFAHRUNGEN AUS DER PRAXIS: Praktiker nennen die helle Farbe der Lignocellulose zu Einsatzbeginn als Vorteil, wogegen z. B. Strohgranulat viel Licht absorbiert, was durch das Lichtmanagement ausgeglichen werden muss. Die Tiere haben trockenere Füße und werden als sauber, mobil und ruhig beschrieben. Die Staubentwicklung bei der Verwendung der Lignocellulose ist gering. Als großer Vorteil wird auch immer wieder der reduzierte Aufwand für die Einstreupflege genannt, der sich aus dem hohen Wasseraufnahmevermögen ergibt. Ein Nachstreuen ist in der Regel nicht erforderlich, auch der Aufwand für das Auflockern der Einstreu ist reduziert oder entfällt ganz. Im Vergleich zu Stroheinstreu oder zu Sägespänen wird deshalb von der Lignocellulose eine deutlich geringere Menge benötigt – damit rechnet sich insgesamt der Einsatz der Lignocellulose. Beobachtungen in Praxisbetrieben zeigen auch, dass beim Einsatz der Lignocellulose geringere Verluste auftreten, da Verdauungsstörungen und Verstopfungen durch das Fressen von Stroh und Hobelspänen entfallen.

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VORHANDENE EINSTREU OPTIMIEREN:
HOHER PH-WERT – WENIGER KEIME Um vorhandene Einstreu zu optimieren, hat sich auch der Zusatz von Hygienepulver mit einem hohen pH-Wert bewährt. Diese basieren auf natürlichen, mineralischen Roh- bzw. Wirkstoffen. Durch den hohen pH-Wert werden pathogene Keime, wie beispielsweise Klebsiellen und Coliforme-Keime (E. coli) im Einstreu deutlich reduziert. Diese Keime haben einen existenziellen Lebensraum im pH-Bereich von 4 bis 9. Derartige Einstreu hebt den pH-Bereich bei kontinuierlicher Anwendung dauerhaft über pH 12 an und ist in der Lage, einen größeren Puffer gegen säurebildende Einflüsse aufrecht zu erhalten. Das Keimspektrum wird nachhaltig positiv verändert und trägt zur Bekämpfung kriechender Insekten wie der roten Vogelmilbe bei. Das Pulver weist zudem eine sehr gute Bindung von Feuchtigkeit auf. Bei der Auswahl eines Hygienepulvers mit einem hohen pH-Wert sollte auf die Hautverträglichkeit geachtet werden. Einen Hinweis auf die Hautverträglichkeit gibt hier beispielsweise das Dermatest Siegel.

AKTIVIERTE PFLANZENKOHLE wird in der Praxis zunehmend eingesetzt, um die vorhandene Einstreu zu optimieren. Pflanzenkohle hat durch sein Kohlenstoffgerüst mit Hohlräumen eine sehr hohe Oberfläche und kann deshalb sehr viel Feuchtigkeit und auch Nährstoffe wie Stickstoffverbindungen binden, die an der Luft Ammoniak freisetzen können. Die Einstreu bleibt scharrfähiger und insgesamt trockener. Das wirkt sich positiv auf die Ballengesundheit aus.
                  
Lignocellulose für optimale Fußballengesundheit Image 3
FUSSBALLENBEURTEILUNGEN IN % BEIM MASTBROILER (NACH SIMON, 2011)

Nicht nur als Einstreuzusatz konnte sich die Pflanzenkohle bewähren. Sie wird auch dem Futter untergemischt und soll unter anderem eine verbesserte Darmgesundheit der Tiere bewirken. In vielen Versuchen wurden auch eine Steigerung der Futteraufnahme, höhere Gewichtszunahmen sowie ein reduzierter Ammoniakgeruch in der Stallluft festgestellt.

FAZIT Das Einstreumaterial hat großen Einfluss auf Gesundheit und Leistung der Tiere. Einstreuprodukte beim Geflügel sind vielfältig. Neben industriell verarbeiteten Produkten sind auch bäuerliche Erzeugnisse im Einsatz. Auswahlkriterien sind neben dem Preis weitere Aspekte wie der Grad der Standardisierung, die Keimbelastung, der Mykotoxingehalt, die Staubentwicklung, die Aufwandmenge, der Bedarf der Einstreupflege und vor allem die Feuchtigkeitsbindung. Lignocellulose kann bei allen Kriterien punkten. Sie bleibt dauerhaft trocken und weich und kann mit Vorteilen bei der Beingesundheit überzeugen. Durch den geringen Arbeitsaufwand für die Einstreupflege bleibt der Einsatz wirtschaftlich. Die Optimierung der Einstreu durch Aktivkohle oder Hygienepulver mit einem hohen pH-Wert wirkt sich außerdem positiv auf das Tierwohl aus und hilft, pathogene Keime in der Einstreu deutlich zu reduzieren.

Katharina Weiß, BayWa, 
und Dr. Christine Potthast, agromed Austria
                            

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