DGS Sonderheft Hygiene und Desinfektion

Spezialist mit Wissen und Ausstattung

Für eine sorgfältige Reinigung und Desinfektion braucht der Tierhalter Zeit. Berater Peter Haible wägt ab, welche Vor- und Nachteile es hat, diese Arbeiten an ein Firma zu vergeben.

Peter Haible ist Tierwirtschaftsmeister und Fachberater für Geflügelzucht und -haltung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Pfaffenhofen an der Ilm.
Peter Haible ist Tierwirtschaftsmeister und Fachberater für Geflügelzucht und -haltung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Pfaffenhofen an der Ilm.
DGS: WELCHE VORTEILE HAT ES FÜR DEN LANDWIRT, EINE FIRMA MIT DIESEN TÄTIGKEITEN ZU BEAUFTRAGEN?

Das hängt vom Betrieb und vom Betriebsleiter ab. Viele Betriebe haben meistens einen straffen Zeitplan und haben keine freien Arbeitskapazitäten. Der „Macher“ ist ausschlaggebend. Der Landwirt kennt seine Ecken und Winkel, weiß, wie er den Stall zerlegen kann, welche Teile und Oberflächen sensibel zu behandeln sind (Herstellerauflagen) und wo sich die Milben verbergen. Der Dienstleister hat natürlich ein großes Spektrum an technischer Ausrüstung. Er hat hier große Vorteile zu bieten, etwa Hochdruckreiniger mit einer Leistung von 30 l/min. und einem Druck von 100 bis 120 Bar. Warmes Wasser mit etwa 40 Grad ist vorteilhaft für die Reinigung. Dampfstrahler mit höheren Temperaturen sind schwierig, da man während der Arbeit wenig sehen kann. Einsatz von Fett- und Eiweißlösern sind unbedingt erforderlich, da diese Lösungen mehr Schmutz aufnehmen und zu einem besseren Ergebnis führen. Bei Mobilställen ist unbedingt darauf zu achten, dass der Stall auf einer Waschplatte steht und das Waschwasser in einer Grube aufgefangen wird. Grundsätzlich gilt, dass 85 Prozent der Reinigung durch Waschen zu erzielen sind und 15 Prozent durch Desinfektion.

DGS: WORAUF MUSS DER TIERHALTER BEI DER BEURTEILUNG DER FREMDFIRMA ACHTEN?

Die Kosten müssen genau – standardisiert – angegeben werden. So kann eine genaue Berechnungsgrundlage geschaffen und die Firmen miteinander verglichen werden. Vor dem Einsatz der Fremdfirma muss der Landwirt, als Arbeitsgeber, eine Betriebsgefährdungsbeurteilung erstellen. Nach dem Einsatz muss die Firma bestätigen, dass sie ordnungsgemäß gearbeitet und die die Vorschriften eingehalten hat (Gefährdungserklärung nach B26 erstellen). Die Sicherheitsdatenblätter für Desinfektionsmittel und Konformitätserklärung sind vom Anwender zu prüfen. Wichtig bei landwirtschaftlichen Auftraggebern ist auch, dass die EU-Verordnung 178 „Primärproduktionen“ beachtet wird. Die Auswahl der Wirkstoffe sollte sowohl beim konventionellen als auch beim ökologischen Betrieb laut DVGListe erfolgen und Parameter wie zum Beispiel Kältefehler oder Erregerspektrum berücksichtigen. Die Reinigungsleistung kann bewertet und optisch festgestellt werden (z. B. Tupferproben). Zu beachten: Reinigung und Desinfektion müssen zeitlich getrennt erfolgen – z. B. braucht Holz länger zum Trocknen – und die Konzentration soll gemäß der verschiedenen Oberflächenstrukturen und Materialien festgelegt werden.



Peter Haible: "Wenn selbst gereinigt wird, darf der Betriebsleiter nicht vergessen, auch die notwendigen Kontrollen und Dokumentationen durchzuführen. Beim Kostenvergleich ist zu berücksichtigen, wie hoch beispielsweise die Investitionskosten für Hochdruckreiniger und Schaumdesinfektion liegen."



DGS: WELCHE KOSTEN KÖNNEN DURCH DAS VERGEBEN DIESER ARBEITEN AUF DEN TIERHALTER ZUKOMMEN?


Als Anhaltspunkte kann man folgende Zahlen dienen: Beim Feststall mit Volieren für 2000 Legehennen kostet Reinigung plus Desinfektion 1500-1800 €, beim Mobilstall für 500 Legehennen können es 700-1000 € sein, im Masthähnchenstall mit 1700 m² kosten Reinigung und Desinfektion 0,80-1,20 €/m2.

DGS: WAS MUSS DER LANDWIRT TUN, DAMIT DIE FREMDFIRMA EFFEKTIV ARBEITEN KANN?

Die Zeitabstimmung liegt beim Landwirt: Schlachten, Reinigung, Desinfektion, Neubelegung! Die Vorarbeiten werden mit der Reinigungsfirma besprochen. In der Regel sind dies: Ausmisten, Endwesen, besenrein saubermachen - Tränkeleitung nicht vergessen -, vorab Maßnahmen zur Milbenbekämpfung, Sicherung von elektrischen Anlagen, Entfernen aller beweglichen Teile. Es muss genau definiert werden, welche Teile gereinigt und welche Desinfiziert werden müssen. Der Arbeitsablauf muss vorab besprochen, Wasser und Stromanschlüsse auf Funktion geprüft werden.

DGS: GIBT ES BETRIEBE/BETRIEBSARTEN, FÜR DIE ES MEHR SINN MACHT, DIE R+D SELBER DURCHZUFÜHREN?

Betriebe, auf denen genügend Arbeitskräfte vorhanden sind, können unter Umständen ihre Arbeitskräfte besser auslasten. Voraussetzung ist hierfür allerdings, dass die mit der Reinigung und Desinfektion beauftragten Personen sachkundig sind. Zwischen Reinigung und Desinfektion sollte ein zeitlicher Abstand von ein bis zwei Tagen liegen, damit keine Verdünnung der Desinfektionslösung stattfindet. Viele Firmen wollen die R+D allerdings gleich an einem Tag durchführen, um Anfahrtskosten einsparen zu können. Daher kann es sich anbieten, die Reinigung von der Firma durchführen zu lassen und die Desinfektion selber durchzuführen. Entscheidend ist, dass die Qualität von Reinigung und Desinfektion optimal ist, da bei Mängeln auch Kürzungen der Leistungen der Tierseuchenkasse im Schadensfall auftreten können.

Annette Mayer, AR Agrarredaktion GmbH, Stuttgart

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