DGS Sonderheft Tiergesundheit

Wohlfühlklima mit angepasster Lüftung

Das Stallklima ist ein wesentlicher Faktor für eine erfolgreiche Geflügelhaltung. Deshalb muss neben vollwertigem Futter und sauberem Trinkwasser ein optimales Stallklima angestrebt werden. Was im Winter besonders beachtet werden muss, erklärt Geflügelfachtierärztin Dr. Christina Popp.

Dr. Christina Popp ist Geflügelfachtierärztin beim Geflügelgesundheitensdienst Stuttgart. Foto: Mayer
Dr. Christina Popp ist Geflügelfachtierärztin beim Geflügelgesundheitensdienst Stuttgart. Foto: Mayer
DGS: WELCHES GEFLÜGEL IST BESONDERS EMPFINDLICH GEGENÜBER NIEDRIGEN TEMPERATUREN? 
Küken reagieren in den ersten Lebenstagen und -wochen ausgesprochen empfindlich auf niedrige Temperaturen. Bis zur vierten Lebenswoche ist das Immunsystem noch nicht voll funktionsfähig. Die Abwehr gegen virale und bakterielle Erreger ist dabei größtenteils vom Status der mütterlichen Antikörper abhängig. Das Daunengefieder ermöglicht eine Regulation der Körpertemperatur nur begrenzt, sodass es vor allem in den ersten Lebenstagen zu erhöhten Tierverlusten kommen kann. Deshalb ist es im Winter besonders wichtig, dass die Bodenplatte ausreichend aufgewärmt ist, damit den Küken hier keine Wärme entzogen wird.

DGS: WORAN ERKENNT DER TIERHALTER, DASS DIE TEMPERATUR ZU NIEDRIG IST?
Bei zu niedrigen Stalltemperaturen drängen sich die Küken zusammen, sind lauter und es besteht die Gefahr des gegenseitigen Erdrückens und Erstickens. Ist die Temperatur zu hoch, liegen sie mit geöffnetem Schnabel und gespreizten Flügeln verteilt ohne Lautäußerung. Ist dann auch noch die Luftfeuchtigkeit zu gering, besteht die Gefahr der Austrocknung. Werden Putenküken in einem Ring gehalten, ziehen sie sich bei zu niedrigen Temperaturen unter dem Strahler zusammen, bei zu hoher Temperatur drücken sie sich am äußeren Rand des Ringes. Beides bringt die Gefahr des gegenseitigen Erdrückens und Erstickens mit sich. Ziehen sich die Tiere in einem bestimmten Bereich des Ringes zusammen, ist meist Zugluft die Ursache.

Sinken die Temperaturen zum Beispiel in schlecht gedämmten Legehennenställen zu weit ab, kommt es zu einem starken Anstieg des Futterverbrauchs und die Legeleistung sinkt.

DGS: DAS HEISST, LÜFTUNG UND HEIZUNG MÜSSEN GUT AUFEINANDER ABGESTIMMT SEIN?
Ja, die Regelung der Lüftung muss im Winter nicht nur unter Berücksichtigung der Stalltemperatur, sondern auch der Ammoniakkonzentration erfolgen. Bei feuchter Einstreu und um die Ammoniakbelastung zu vermindern, muss regelmäßig ausreichend nachgestreut werden.

ANZEIGE

Intervet Deutschland GmbH – ein Unternehmen der MSD Tiergesundheit
Durch richtiges Lüften kommt frische Luft in den Stall, Schadgase (CO2, NH3, H2S) und Stäube werden beseitigt und überschüssige Wärme abtransportiert. Der Wärmeverlust durch die Lüftung hängt vom Luftaustausch, der Temperatur im Stall und der Luftfeuchtigkeit ab. Im Winter wird der Luftvolumenstrom auf ein notwendiges Minimum, die Mindestluftrate, zum Abtransport des Wasserdampfes, des CO2 und der Schadgase begrenzt.

Eine angenehme „Umwelt“ für das Geflügel im Stall setzt eine gute Wärmeisolierung des Stallgebäudes voraus und lässt sich nur durch eine ausreichend dimensionierte Lüftungsanlage sowie Heizungs- und Kühlungstechnik – im Falle der Legehennenhaltung auch Kottrocknungstechnik – verwirklichen. Hierbei muss es möglich sein, eine minimale Winterluftrate zu erreichen, die den Anstieg der Schadgase über die zulässigen Toleranzwerte hinaus verhindert und Feuchtigkeit aus dem Stall transportiert. Erreicht wird das in unseren Regionen im Winter in Legehennenställen mit einer Minimalluftrate von 0,4 bis 0,6 m3/h/kg Körpergewicht. Junge Tiere nehmen jeden Meter Luftgeschwindigkeit als ungefähr 8 °C kälter wahr. Zugluft muss daher immer vermieden werden.

Generell gilt für Geflügel in Bodenhaltung: Wird im Winter nur mit einer relativ niedrigen Mindestluftrate gefahren, ist die Luftverteilung über die Seitenventile schwierig. Können daher nicht alle Stallbereiche ausreichend mit Frischluft versorgt werden, kann es vermehrt zu Atemwegserkrankungen kommen.

DGS: WAS IST IM WINTER BEIM DESINFIZIEREN ZU BEACHTEN?
Für die Auswahl des Desinfektionsmittels für die spezielle Desinfektion verweise ich auf die DVG-Desinfektionsmittelliste. Wichtig ist, dass beim Einsatz einiger Desinfektionsmittel der sogenannte Kältefehler zu beachten ist. Einige Desinfektionsmittel benötigen bestimmte Mindesttemperaturen, um ihre Wirksamkeit zu entfalten. So sind bei Temperaturen unter 10 °C keine aldehydhaltigen Desinfektionsmittel oder Mittel auf Basis organischer Säuren (Ausnahme: Peressigsäure) einsetzbar. Gelistete Desinfektionsmittel mit einem Listeineintrag bei 10 °C können auch für eine Desinfektion bei niedrigeren Temperaturen unter Verdopplung der Anwendungskonzentration verwendet werden.

Annette Mayer, AR Agrar-Redaktion GmbH, Stuttgart
                    

Artikel empfehlen

Datenschutz